13.07.2019 - STADTFINALE

Die Pumpe, Kiel

Flyer STADTFINALE - 13.07.2019



SPH Music Masters 2019 - Stadtfinale (13.07.19, Die Pumpe, Kiel)

Im Stadtfinale in der Kieler Pumpe wurde der Opening-Slot des Abends von der Eckernförder Band LEEROY bestens genutzt, um bereits mit dem ersten Song die Stimmung bei allen Zuschauern in „Bock auf Rock“ zu verwandeln. Das Trio macht deutschsprachigen, ehrlichen und unkomplizierten Rock mit klaren Songstrukturen, der überzeugt. Die gute Laune auf der Bühne schwappt direkt auf das Publikum über, sodass keiner stillstehen kann und reißt schon innerhalb der ersten Minuten die übliche Wand zwischen Bühne und Publikum ein. Die Musik ist frisch und ohne unnötige Schnörkel, dafür mit viel Platz für Kreativität seitens des Publikums, wodurch sie sich vom klassischen Deutschrock, den man hinter diesem Begriff schnell vermutet, abhebt. Wenn man es erst einmal geschafft hat, dass das Publikum ohne Aufforderung mitklatscht, weil die Musiker das nicht selbst können, denn die haben alle Hände voll zu tun, dann ist man ganz sicher bei LEEROY angelangt und fühlt den Spaß der drei Herren auf der Bühne direkt ins Publikum übergehen. Und noch besser: Man versteht, um was es der Band geht. In den Texten, sowie in deren Arrangements, wo alles an seinem Platz zu sein scheint, Backing Vocals genau dort auftauchen, wo es das Ohr haben will, eine solide Rhythmusabteilung ihren Job in Perfektion umsetzt und eine unverkennbare Stimme und Leadgitarre jedem Song das i-Tüpfelchen aufsetzten, bleibt absolut kein Zuschauer übrig, der nach der Show noch einen unbefriedigten Schrittzähler mit sich trägt. Danke für diesen genialen Opener, den jeder Band-Contest bräuchte!

 

Weiter ging es mit dem nächsten Act, LAZYBYRDS aus Lübeck. Uns wurde Akustik Folk Funk versprochen und jeder, der diese Musikrichtung bisher nicht kannte, wusste nach den ersten Takten direkt, um was es da gehen musste. Hineingeworfen in eine Mischung aus dem Feeling, das in alten Seefahrer-Tavernen geherrscht haben muss, gepaart mit Festival-Feeling irgendwo zwischen Mittelalter und Heute, blieb beim Publikum durchweg der Eindruck erhalten, dass man das, was die vier Herren der LAZYBYRDS da präsentieren, etwas ganz Großes und Neues sein musste. Man darf bekanntlich Bassisten nicht zu doll loben, sonst werden zwei Drittel aller Musikerwitze ad absurdum geführt, aber was hier zwischen Bass und Drums passierte, war eine überaus satte Vorlage für den Gitarristen sowie den Akustikgitarre spielenden Sänger. Diese Mischung aus stampfenden Beats, gepaart mit eingängigen Melodien und einer unverkennbaren Stimme, heizte beim Publikum so weit ein, dass sogar noch nach Song-Ende einfach weiter gesungen wurde! Wer bis dahin noch nicht geklatscht hatte, der musste wortwörtlich vom konzentrierten Spiel, aber auch von der dennoch großartigen Laune auf der Bühne gefesselt sein, die durchaus auf alle anwesenden abfärbte. Und ja, es war deutschsprachig, ernst und gutgelaunt zugleich. Teilweise zum Nachdenken und Mitfiebern, mit tollen und ehrlichen Botschaften von überaus charismatischen Musikern, die man sich noch auf dem ein oder anderen Festival wünscht!

 

Heute wurden alle Standards über Bord geworfen! Denn das, was uns da als Rock und Pop, der mal knallt und mal sachter sei, von der nächsten Band angekündigt wurde, gab dermaßen Energie an das Publikum ab, dass das eigentlich gar kein Pop mehr sein konnte. I AM ERROR aus Rostock feierten eine großartige und solide Mischung aus Rock-Elementen, die mal nachdenklich, aber auch mal schön geradeaus auf das Publikum abgefeuert wurden und den Funken überspringen ließen. Perfekt auf die herausstechende und potentialgeladene Stimme passten die Gesamtkonzeptionen der Songs, die genau dort den Gitarren-Sound und -part enthielten, wo man ihn hören wollte. Wir haben nicht nur gelernt, dass Kiel rückwärts beinahe ein Like ergibt, sondern auch, dass Bock auf Musik genau so aussehen muss wie hier, Glitzer nie überflüssig ist, und dass man als Publikum sogar von einem Drummer, der einem mit extravaganten Breaks förmlich vor Motivation entgegenspringt, die Energie und Lust, sich zu bewegen klauen möchte. Und, dass man I AM ERROR mit großer Wahrscheinlichkeit wiedersehen will, muss und wird!

 

Der nächste Künstler wurde bereits den ganzen Abend schon vorsichtig beäugt und mit Spannung erwartet, da man bei dem bisher sehr mit Rock geladenen Programm als einziger mit einer deutlich anderen Musikrichtung nur zwei Wege beschreiten kann: Gewinnen oder verlieren. 20$23 (sprich: zwanzig-dreiundzwanzig) alias Dima hat aber sowas von alles richtig gemacht! Deutsch- und englischsprachiger Rap nach drei Rock-Acts so überzeugend rüberzubringen, dass sogar die härtesten Rocker vor der Bühne bouncen, ist einer riesige Kunst. Kunst kommt von Können und das kann er alles: Professionell selbst-produzierte Beats, die in Zukunft auch Raum für eine eigene Band mit Dima als Frontmann vorstellbar machen, ein überaus charismatisches und sympathisches Auftreten, keine dicke Hose, sondern Ehrlichkeit in seinen Texten, die wirklich von Herzen kommen und nicht dem klassischen überzogenen Rap-Klischee entsprechen, sowie das Gefühl, dass er das Ganze lebt – ja auch erlebt hat – was er in seinen Texten verarbeitet. Ein perfekter Abschluss für diesen Abend war dieser perfekt andere Act, denn man hätte mit einer vierten Rockband nicht besser die Bude abreißen können, als 20$23 das mit Rap tat! Man kann Dima nur einen Tipp geben: Schnapp dir ‘ne Band und komm nächstes Jahr wieder – wir sind jetzt schon heiß!

 

Fazit des Abends: Auch wenn in diesem Kieler Stadtfinale keine einzige Band aus Kiel kam, war es doch eine geniale Leistung aller Bands, ihre eigenen Fans bei der Stange und vor allem vor der Bühne zu halten, auch wenn sie gerade selbst nicht spielten. Fairness, Freude über das Weiterkommen der anderen Künstler und einfach die Lust auf einen tollen Abend, um Kontakte zu knüpfen, sowie neue musikalische Eindrücke zu ernten, führten zu einem wahnsinnig erfolgreichen Bandcontest, der eigentlich eher einer gemeinsamen Party als einem harten Contest glich. Genau so muss das sein!

Verfasser: Steffen Schumacher // SPH Music Masters

Hier das Ergebnis im Detail:

Act

Jury

Publikum

Durchschnitt

LAZYBYRDS 24,10 % 54,17 % 39,13 %
LEEROY 26,51 % 16,67 % 21,59 %
20$23 22,89 % 16,67 % 19,78 %
I AM ERROR 26,51 % 12,50 % 19,50 %
Achtung:

Durch Rundungen kann es ggf. zu leichten Abweichungen kommen (z. B. Addition aller Wertungen = 100,1%). Für den Fall, dass eine solche Rundung zwischen zwei Acts entscheiden würde, wird mit den exakten Werten gerechnet.

 

Du willst auch bei den SPH Music Masters teilnehmen und ein solches Review zu deiner Show bekommen?

Dann melde dich hier an.

 

Du möchtest bei den SPH Music Masters als Show Manager, im Marketing oder als Jury-Mitglied arbeiten?

Schau dir unsere Jobs an.

Flyer STADTFINALE - 13.07.2019

Tickets

Download Flyer

Facebook Flyer

Facebook Event