18.11.2016 - VORRUNDE

Bokle, Radolfzell am Bodensee



SPH Bandcontest 2017 - Vorrunde (18.11.2016, Bokle, Radolfzell am Bodensee)

An einem verregneten Freitagabend fand die erste Vorrunde im Bokle in Radolfzell statt.

Den Abend eröffnete die Rockgruppe ANDERSWO, welche Blues-Rock der alten Schule mit deutschen Texten kombinierte. Direkt zu Beginn merkte man, wie die Songs, dank des guten Timings der Band, „rollen“. Die Lead-Gitarre füllte gut die Stellen ohne Gesang mit geschmackvollen Singlenote Lines. Bemerkenswert ist die Stimmfarbe der Sängerin, die wie die Faust aufs Auge zu der Musik passt, wobei bei den hohen Tönen ab und an die Intonation etwas sauberer sein und die Melodielinien im Verse gerne auch mutiger variiert werden könnten. Das gute Gefühl für Hooklines spiegelt sich in fast jedem Refrain wieder, vor allem bei den Songs „Es tut so weh“ und „Frühstück“. Am Ende reichte es von den Publikumsstimmen leider nicht für ein Weiterkommen, trotzdem einen großen Dank an ANDERSWO für ihren Auftritt.

Weiter ging es mit der Hard-Rock/Metal-Band SCARCROW. Die vier Jungs fielen von Beginn an durch ihre wohlüberlegten Outfits auf, die sehr authentisch die Musik die sie machten, widerspiegelten. Von Beginn an rockte die junge Band was das Zeug hielt. Die mystische, gruselige aber auch charismatische Ausstrahlung des Sängers untermalte die musikalische Darbietung der Band. Stellenweise erinnerten die Songs an eine Mischung aus Dio, Alice Cooper und Black Sabbath, wobei neuere Elemente in den Songs diesen Mix „frischer“ klingen ließen. Der Gesang könnte an wenigen Stellen etwas akkurater sein, zu hören ist das vor allem in den Teilen wo Sänger und Gitarrist zusammen die gleiche Melodie singen. Auch wenn SCARCROW einen guten Auftritt hinlegten, konnten sie leider nicht die nächste Runde erreichen. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!

Als Drittes betrat die Piano-Metal Solo-Künstlerin IGNIS CAERULEUS, was lateinisch für „blaues Feuer“ ist, die Bühne. Die Sängerin begleitete sich selbst mit dem E-Piano und das auf einem sehr amtlichen Niveau, timing-mäßig einwandfrei und das, obwohl sie stellenweise während sie sang, schwerere Läufe spielte. Die Stimmfarbe hatte nuanciert etwas von Operngesang, was sicher auch an den ausdrucksstarken Song lag, die auch Teil eines Musicals bzw. einer Oper hätten sein können. Während der Songs wurden verschiedene fantasieartige Bilder mit einem Beamer an die Wand geworfen, um die Stimmung zu intensivieren. Dieses Konzept war leider noch nicht so durchdacht und sollte nochmal überarbeitet werden, genauso wie die Ansagen zwischen den Songs. Alles in allem konnte IGNIS CAERULEUS die Jury und das Publikum überzeugen, weshalb es mit Hilfe der Wildcard für sie in die nächste Runde geht.

Als nächstes präsentierte die Band MIGHTY SAM ihren Nu-Metal. Das Set der Band begann mit einem Sample-Intro, welches die Spannung im Publikum fast ins unermessliche steigen ließ. Diese Spannung entlud sich dann in einem Nu-Metal Feuerwerk, auf und vor der Bühne. Der Rapper/Sänger gab wirklich alles und überzeugt durch seinen guten Flow und seiner soliden Stimme. Gescreamt wurde in manchen Songteilen auch, somit konnte der Sänger durch seine Flexibilität begeistern. Groovige Gitarrenriffs bekamen in jedem Song ihren Platz und gewisse Elemente wie z.B. die Steigerung in ruhigeren Parts der Songs zum kollektiven Abgehpart, erinnerte an Rage Against The Machine. Die Authentizität der gesamten Band sorgte dafür das gegen Ende des Sets jeder im Bokle mitfeierte. Lediglich die ruhigeren Parts in den Songs könnten ein wenig gefühlvoller gesungen werden, aber ansonsten war das schon eine ziemlich amtliche Performance von MIGHTY SAM, selbst eine gerissen Bass-Saite stellte kein Hindernis dar. Mit einem verdienten Platz drei ziehen MIGHTY SAM in die nächste Runde ein.

Nun betrat die Alternative-Rock Band IN CONTROL die Bühne. Hier fiel auch direkt das Erscheinungsbild der Musiker auf. Während die Herren an den Drums, Gitarre, Bass und Keyboard äußerst schick mit Anzug die Bühne betraten, hatte die Frontsängerin ein Brautkleid ähnliches Kleid an, was ja erst mal ganz nett klingt, wäre da nicht das ganze Kunstblut über dem Kleid und die gefärbten Kontaktlinsen. Gepaart mit Chucks ergab dieses Bild nun eine (kunst)blutüberströmte Horror-Rockerbraut, sehr cool! Von Beginn an spiegelt sich das Erscheinungsbild der Band auch auf die Performance wieder, jeder hat Spaß auf der Bühne und zieht das Publikum direkt in seinen Bann, das Publikum vor der Bühne absorbiert diese Energie und geht dementsprechend ab. Gitarre und Schlagzeug sind bemerkenswert tight, lediglich der Bass schwankt an manchen Stellen. Die Frontfrau der Band bewies, dass eine saubere Intonation trotz großer Interaktion mit Band und Publikum auf der Bühne möglich ist. Die Band besteigt direkt die Spitze des Siegerpodests. Platz eins, nächster Halt: Stadtfinale!

Wenn nicht bis jetzt die Bands das Bokle schon zum einsturzgefährdetem Gebäude gemacht hatten, dann war spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen. UNREDD. Metalcore. Vom Feinsten. Die sympathische Band begann ihr Set fulminant mit einem donnernden Drum-Intro welches in brachiale Gitarrenwände mündete. Der Frontmann ging wie ein Flummi auf der Bühne ab und screamte/shoutete seine Texte ekstatisch. Vor allem der Drummer begeisterte durch seine Virtuosität, zusammen mit dem Bass und der Gitarre bildete er die wohl beste Rhythmusgruppe des Abends. Die Ansagen zwischen den Songs waren immer mit sehr viel Humor geprägt. Die ausgelassene Stimmung entwickelte sich dann in einen Moshpit vor der Bühne, Band und Publikum bildeten eine Einheit. Mit Jurybestwertung und einem hervorragenden Platz zwei geht es auch für UNREDD in die nächste Runde.

 

Gegen Ende blieb es von der Musikrichtung her wuchtig. MENSTRUAL INJECTION beendeten den Abend mit Deathcore. Von Beginn an konnte hier der Frontmann durch seine Variabilität in den Scream/Shout-Techniken überzeug. Sehr geschmackvoll kommen auch die Parts daher wenn Frontmann und Gitarrist zusammen screamen. Die Breakdowns waren allesamt wie ein Schlag ins Gesicht, unglaublich fett. Das lag vor allem auch an dieser Rhythmusfraktion, punktgenau übereinander sorgen sie für einen enormen Druck in jeder Passage eines jeden Songs. Der Frontmann war auf der Bühne von der Performance leider nicht so präsent, wie man es vielleicht von der Musikrichtung her erwartet hätte, was natürlich nicht seine musikalische Darbietung mindern soll! Leider reichte es für MENSTRUAL INJECTION von den Publikumsstimmen am Ende nicht, um die nächste Runde zu erreichen. Nichtsdestotrotz, vielen Dank, dass ihr den Abend mit eurer Performance gebührend beendet habt!

 

Platzierung

Jury

Publikum

Durchschnitt

1

In Control

13,8%

25,8%

19,8%

2

Unredd

15,9%

21,6%

18,7%

3

Mighty Sam

14,8%

22,2%

18,5%

4

Ignis Caeruleus

13,2%

12,9%

13,1%

5

Scarcrow

13,8%

7,0%

10,4%

6

Menstrual Injection

14,8%

5,7%

10,3%

7

Anderswo

13,8%

4,7%

9,2%

Verfasser: Marco Stiegler // SPH Bandcontest
Achtung:

Durch Rundungen kann es ggf. zu leichten Abweichungen kommen (z. B. Addition aller Wertungen = 100,1%). Für den Fall, dass eine solche Rundung zwischen zwei Acts entscheiden würde, wird mit den exakten Werten gerechnet.

 

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